Let’s unwrite these pages and replace them with our own words.


In den letzten paar Tagen habe ich mal wieder viel Rise Against gehört. Swing Life Away ist mir dabei zum ersten Mal richtig aufgefallen. Und nach mehreren Tagen Dauerhören muss ich meine Gedanken dazu einfach mal los werden.


Was ich an diesem Song so liebe, sind -abgesehen von den Lyrics natürlich- die ruhigen, melancholischen Untertöne. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für Rise Against. Trotzdem finde ich, dass es kaum einen Song gibt, der an diese nachdenkliche Stimmung ran kommt und so viele verschiedene Ebenen bedient.

„I’ll show you mine if you’ll show me yours first. Let’s compare scars, I’ll tell you whose is worse.“ Zum einen ist da dieses Misstrauen, die Vorsicht, die glaube ich jeder von uns schon mal am Anfang einer neuen Beziehung oder Freundschaft erlebt hat. Wie viel gebe ich von mir Preis? Welche „Narben“ halte ich lieber versteckt? Dann kommt das Gefühl von Abhängigkeit, das Bedürfnis nach Sicherheit hinzu: „I won’t cross these streets until you hold my Hand“ Und schließlich die Unsicherheit, wenn man sich die Zukunft ausmalt: „Are we getting closer or are we just getting more lost?“ Wo sind wir in fünf Jahren? In einem Jahr? In ein paar Monaten? Gibt es dann überhaupt noch ein „wir“? Wie in einem meiner letzten Beiträge mal erwähnt, bin ich ein Kopf-Mensch, die perfekte Kandidatin für das berühmt berüchtigte „Over-thinking“. Um so mehr berührt mich dieser Song jedes Mal aufs neue und ich habe das Gefühl, jede einzelne Zeile der Lyrics nachvollziehen zu können.

Neben diesen ganzen, doch eher negativ behafteten Fragezeichen bringt der Song aber auch noch einiges Positives mit sich: „I’ve been here so long, I think that it’s time to move. The winter’s so cold, summer’s over too soon. So let’s pack our bags and settle down where palm trees grow“ Diese Sehnsucht nach dem Abhauen, dem Alles-hin-schmeißen und irgendwo ganz neu anzufangen begleitet mich immer in irgendeiner Form. Jetzt, wo ich einige Menschen kenne, mit denen sich das Abhauen mehr denn je lohnen würde, ist es nun noch schlimmer geworden. In diesem Sommer war  ich viel unterwegs, habe viele neue Leute getroffen, aber auch viele „alte“ Freunde besser kennen gelernt. Orte besucht, die ich noch nicht kannte und -was mich wohl am meisten beschäftigt und auch verändert hat- bin immer wieder auf neue und vorallem sehr unterschiedliche Lebensentwürfe und -Ideen gestoßen.  Ich finde, dass jede neue Reise, jede neue Bekanntschaft, eine Erkenntnis mit sich bringt: Das, was du dein Leben nennst, ist noch lange nicht alles. Da draußen gibt es so viele Möglichkeiten und so viel zu entdecken. Wenn ich so drüber nachdenke, packt mich die Abenteuerlust. Es kribbelt förmlich in meinen Fingern und ich kann kaum noch still sitzen.

Also warum tue ich mir das eigentlich an? Warum packe ich nicht einfach meine Sachen und bin weg? Warum setze ich mich nicht einfach auf irgendeine Veranda in einer anderen Stadt mit den Menschen, die mir wichtig sind und „lasse das Leben an mir vorbei ziehen“? Warum bleibe ich nicht einfach an Orten, die mir gefallen? Warum belasse ich es bei diesem Beitrag (den ich übrigens in einer zugegebenermaßen sehr langweiligen Vorlesung verfasse – sorry not sorry! :D)? Bin ich inkonsequent, feige, langweilig?

Diese Fragen habe ich mir in den letzten Monaten immer wieder getellt. Jetzt glaube ich eine Antwort gefunden zu haben: Nein. Ich bin weder inkonsequent noch feige. Ich bin wohl eher das, was man als „vernünftig“ und „realistisch“ beschreiben würde. Das hört sich im ersten Moment furchtbar langweilig an (und ist es wahrscheinlich auch), aber es ist definitiv nichts für das man sich rechtfertigen oder sogar entschuldigen müsste. Ich werde mein Studium nicht abbrechen, um in eine andere Stadt oder gleich ein anderes Land abzuhauen. Genauso wenig werde ich meinen Job kündigen oder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit nur einem Koffer zuhause ausziehen. Denn auch wenn ich mich mehr als zuvor zunehmend „eingesperrt“ fühle in einem Leben, was irgendwie nicht 100% meinen Vorstellungen entspricht, weiß ich, dass ich schon weit gekommen bin. Weiter als ich es mir  vor ein paar Jahren vorstellen konnte. Und es wird auch noch weiter gehen. Ich bin außerdem überzeugt davon, dass ich mir durch mein Studium ein großes Stück Freiheit erst ermögliche. Deshalb mache ich weiter. Deshalb tue ich mir das an, den wenigen Schlaf, den Stress, den Druck, die Nachtschichten am Schreibtisch und wenn es nicht mehr anders geht manchmal auch die Tränen der Wut und Enttäuschung . Deshalb bleibt es vorerst bei großen Plänen und noch größeren Träumen. Zumindest bis ich meinen Abschluss in der Tasche habe. (Ich kann es kaum erwarten!)

Bis es soweit ist, werde ich die wenigen „Freiheiten“ meines Studentenlebens voll und ganz auskosten, mich in so viele Moshpits, wie möglich schmeißen, so viele Konzerte und Festivals, wie möglich besuchen und so viel Zeit, wie nur irgendwie geht, mit meinen Freunden verbringen. Kurz: Ich werde mitnehmen, was geht. Wir sind alle nur einmal jung!:)

„But we’ve had some times, I wouldn’t trade for the world
We chase these days down with talks of the places that we will go

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