Wenn das hier wirklich alles ist – dann ohne mich. (Bundesvisionsongcontest 2015)

Ich habe es getan. Ich habe mir den Bundesvisionsongcontest reingezogen inklusive einem schwitzenden Elton im „Green Room“, ewigen Werbeblöcken und mega nervige Schalten in die einzelnen Bundesländer zu mehr oder weniger witzigen Radiomoderatoren. Gerade geht er zu Ende. Mit einem leicht verwirrten Mark Forster im goldenen Glitterregen, der überraschenderweise gewonnen hat. Irgendwie muss ich da jetzt auch noch meinen Senf dazu geben. Mit meinem Song des Abends: Dann ohne mich von den Donots.

„Endlich ist er wieder wer
Der kleine Mann, die große Meinung
Die Dummheit feiert ein Comeback
Endlich darf man sich beschwer’n
Der Kopf aus Holz wär‘ gerne eisern
Und macht doch jeden Schwachsinn mit
Denn Idioten sind nicht lang alleine
Und kleine Geister haben zu viele Freunde

Die Lügen, das Schweigen
Der Stolz, der andere verletzt
Wenn das hier wirklich alles ist
Dann ohne mich

Der Dumme hängt die Flagge stets am Höchsten
Ich kann den Irrsinn nicht mehr hören
Der Unmensch ist sich selbst der Nächste
Lasst uns die Penner doch blockieren
Denn kein Mensch ist illegal
Nein, kein Mensch ist illegal

Die Lügen, das Schweigen
Der Stolz, der andere verletzt
Wenn das hier wirklich alles ist
Dann ohne mich

Die Ehre, die Heimat
Die Arroganz versteh‘ ich nicht
Wenn’s sich hier nur noch darum dreht
Dann ohne mich

Nur Lügen und Schweigen
Für Ehre und Heimat
Ohne mich!
Dann ohne mich!

Dann ohne mich!
Ohne mich!

Die Lügen, das Schweigen
Der Stolz, der andere verletzt
Wenn das hier wirklich alles ist
Alles ist, Alles ist
Die Ehre, die Heimat
Die Arroganz versteh‘ ich nicht
Wenn’s sich hier nur noch darum dreht
Ohne mich!“


Eigentlich finde ich die Idee des BuVisCos wirklich gut: Newcomer/eher unbekannte Bands treten gegeneinander an und vertreten ihr jeweiliges Bundesland. Und da waren auch echt schon coole Sachen mit dabei. Juli mit Geile Zeit zum Beispiel (aus Hessen übrigens 🙂 ). Der aufmerksame Leser wird hier schon den ersten Fehler gefunden haben: „Mark Forster ist doch kein Newcomer?!“. Genau. Der hatte praktisch schon gewonnen, bevor er überhaupt auf die Bühne gegangen ist. Zumal der Song „Kopf und Bauch“ zusammen mit dem gleichnamigen Album bereits letztes Jahr im Mai erschienen ist. Und selbst mir als jemand, der sehr selten Radio hört, kommt das Ding zu den Ohren raus. Das ist doch dann kein Wettbewerb mehr! Wirkliche Newcomer wie PerDu aus dem Saarland, deren Song „Lange nicht getanzt“ echt nicht schlecht war, gehen da komplett unter. Schade! Ich wäre dafür, dass „bekanntere“ Bands und Künstler nicht am BuVisCo teilnehmen sollen. Wenn es  ohne Stefan Raab überhaupt nochmal einen gibt.

Gegen Mark Forster an sich habe ich nichts. Ich liebe „Auf dem Weg“ (meiner Meinung nach einer der hartnäckigsten Ohrwürmer überhaupt) und auch „Au Revoir“ pfeife ich immer noch gerne mit. Mit „Kopf und Bauch“ habe ich aber ein Problem. Zum einen erinnert der Song stark an Joris mit „Herz über Kopf“ (aber ich glaube Mark Forsters Song ist älter ;)). Zum anderen finde ich den Song ziemlich langweilig und textlich seeehr schwach: „Kopf sagt nein, dann schüttelt er sich!“. Da schüttelt es mich auch. Auch live war ich ein bisschen enttäuscht von Mark. Ich habe ihn auf dem diesjährigen Schlossgrabenfest in Darmstadt gesehen (ironischerweise nach Joris). Naja, der überaus überraschende Sieg heute Abend sei ihm trotzdem gegönnt.

Ansonsten war das Feld des BuVisCo sehr breit aufgestellt. Besonders positiv aufgefallen sind mir – neben den Donots – PerDu aus dem Saarland (auch wenn diese Tänzerin im neonorangenen  Fitnessoutfit echt gestört hat) und natürlich Madsen mit „Küss mich“. Lary, die für Berlin teilnahm, hab ich schon als Support von den Fanta 4 gesehen. Sie hat ihren ganz eigenen Stil. Den Song fand ich zwar nicht so überragend, aber ich bin gespannt, was es von ihr noch zu hören geben wird. Eine weitere Erkenntnis des Abends: Klaas kann nicht nur mit Joko rumblödeln sondern auch singen. Zusammen mit einem Teil von Wir sind Helden.  Mein Fall ist das jetzt eher nicht. Genauso wenig wie Wunderkynd aus Bayern, der von halbnackten Tänzerinnen begleitet von seiner ReWe-Bekanntschaft in „Jogginghose und FlipFlops“ sang. „Aber aus dem ReWe hab ich die Milchstraße gemacht und das Universum!“, erklärte er im Interview. Ah ja…

Die Donots waren ein echter Lichtblick. Ich habe heute Abend zum ersten mal bewusst einen Song von den Donots  gehört. Irgendwie waren die immer präsent. Guido war zum Beispiel auf dem letzten Itchy Poopzkid Album „Ports & Chords“ zu hören: beim Pirate Song. Und vor kurzem machte ein engagierter Facebook-Beitrag der Donots die Runde – sehr lesenswert!! Aber einen Song hatte ich noch nie gehört. „Dann ohne mich“ ist super. Erinnert stark an die Toten Hosen. Endlich ein Song mit Aussage (und definitiv mehr Aussage als irgendwelche FlipFlops und Jogginghosen oder Monstertrucks) Und zur Message muss nichts hinzugefügt werden. Eine Kampfansage gegen Rechts und gegen Flüchtlingshass – inklusive Mittelfinger.

Danke liebe Donots, das hat meinen Abend gerettet!

Viel Spaß beim Reinhören!

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